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Das ordnungsgemäße Evakuieren von Kältemittelleitungen dient primär dem Entfernen von nicht kondensierbaren Gasen (Luft) und insbesondere von Feuchtigkeit. Feuchtigkeit im System führt in Verbindung mit Kältemittel und Kältemaschinenöl zur Bildung von Säuren (Hydrolyse), Schlammbildung, Zersetzung des Öls sowie langfristig zu mechanischen und elektrischen Schäden am Verdichter. Hier ein klassicher Anschluss von Monteurhilfe und Vakuumpumpe an einem Splitgerät

Bei niedrigen Außentemperaturen sinkt der Sättigungsdampfdruck von Wasser erheblich. Um Wasser bei geringer Umgebungstemperatur zum Sieden zu bringen, muss ein sehr tiefes Vakuum erreicht werden. Die meisten Vakuumpumpen erreichen ein Vakuum von ca. 0,95 Bar, was nicht ausreicht um Feuchtigkeit bei kalten Außentemperaturen zum Verdampfen zu bringen. Deshalb reicht das reine Vakuumieren von Klimaanlagen mit der Vakuumpumpe bei tiefen Temperaturen nicht aus. 

Fall 1: Lange Innenleitung, kurzes Teilstück im Außenbereich

Das Innengerät und der überwiegende Teil der Verbindungsleitung (z. B. mehrere Meter) sind im beheizten Gebäudeinneren verlegt. Im kalten Außenbereich befindet sich lediglich ein kurzes Teilstück bis zu den Serviceventilen des Außengeräts. In dieser Konstellation ist auch bei niedrigen Außentemperaturen um oder knapp unter 0 °C in der Regel kein zusätzlicher Mehraufwand erforderlich:

  • Der Hauptteil der Rohrleitung hat das Temperaturniveau des Innenraums angenommen.
  • Beim Absaugen über den Serviceanschluss am Außengerät strömt die warme Luft aus dem Innenrohr nach außen nach.
  • Die im Rohr vorhandene Wärme reicht aus, um die geringe Restfeuchte der Luft zügig zu verdampfen, bevor das kurze äußere Teilstück durch die Verdampfungskälte nennenswert abkühlt.
  • Ein Standardvakuum mit abschließendem Stehtest ist hier völlig ausreichend.

 

Fall 2: Längere Außenleitung oder Evakuierung des Außengeräts (z. B. nach Verdichterwechsel / Leckage)

Ein wesentlicher Teil der Rohrleitung verläuft im Außenbereich, oder das Außengerät selbst muss nach einer Reparatur (wie Verdichtertausch, Beseitigung einer Leckage) mit evakuiert werden. In diesem Fall reicht es nicht aus das System oder die Rohrleitungen einfach "nur" zu Vakuumieren. 

3 Klimaanlagen bei tiefen Außentemperaturen Vakuumieren

  1. Erstes Evakuieren: Die Anlage wird zunächst auf den maximal möglichen Unterdruck der Vakuumpumpe gezogen (z. B. -0,95 bis -1,0 bar).
  2. Vakuum brechen: Das System wird mit technisch getrocknetem Stickstoff geflutet. Zu empfehlen ist Stickstoff 5.0 oder vorzugsweise Reinststickstoff 5.5, da dieser einen extrem niedrigen Feuchtegehalt aufweist.
  3. Feuchteaufnahme: Der trockene Stickstoff diffundiert in das gesamte System und nimmt die verbliebene Feuchtigkeit gasförmig auf.
  4. Erneutes Evakuieren: Das Gas-Feuchtigkeits-Gemisch wird durch erneutes Vakuumieren restlos aus der Anlage gefördert.
  5. Messen und wiederholen: Mit einer Vakuumsonde messen und ggf. das Vakuumieren und brechen wiederholen. 

Klimaanlagen bei tiefen Außentemperaturen Vakuumieren 5

Fall 3: Flüssiges Wasser im System (z. B. durch Regen oder offene Rohrenden)

Es befindet sich Wasser in flüssiger Form im Leitungssystem bedingt durch offene Leitungen während Niederschlag, Kondensatansammlungen oder defekte Wärmetauscher. 

  1. Spülen / Ausblasen: Die Rohrleitung wird vor dem eigentlichen Evakuieren mit getrocknetem Stickstoff (ca. 5 bis 7 bar) kräftig in Strömungsrichtung durchgeblasen. Dadurch wird der Großteil des flüssigen Wassers mechanisch aus dem System gedrückt. (Hinweis: Ein Vorwärmen des Stickstoffs über eine erwärmte Rohrspirale kann diesen Schritt unterstützen.)
  2. Erstes Evakuieren: Nach dem Ausblasen wird die Vakuumpumpe angeschlossen und das System vakuumiert.
  3. Vakuum brechen: Das Vakuum wird erneut mit getrocknetem Stickstoff (5.0 oder 5.5) gebrochen, um noch haftende Restfeuchte aufzunehmen.
  4. Zweites Evakuieren: Abschließendes Tiefenvakuumieren bis zum Erreichen der geforderten Zielwerte. 

Für eine verlässliche Aussage über die Trockenheit des Kältekreises ist der Einsatz einer separaten, digitalen Vakuumsonde (Messung in Mikron bzw. mbar) unverzichtbar. Die herkömmliche mechanische Zeigermonteurhilfe ist für diese Beurteilung zu ungenau.

1 Klimaanlagen bei tiefen Außentemperaturen evakuuieren

Wichtiges Phänomen bei niedrigen Temperaturen:

  • Bei einem regulären Vakuum-Stehtest (Druckanstiegstest) schließt man die Ventile zur Pumpe. Steigt der Druck an, deutet das entweder auf eine Undichtigkeit (kontinuierlicher Anstieg bis zum Umgebungsdruck) oder auf verdampfende Restfeuchte hin (Anstieg bis zum Sättigungsdampfdruck des Wassers bei der jeweiligen Temperatur, danach Stagnation).
  • Das Problem bei Frost bzw. tiefen Temperaturen: Wenn Wasser im System gefroren ist, verdampft es nicht mehr ausreichend schnell. Die digitale Vakuumsonde kann in diesem Fall einen scheinbar perfekten, stabilen Unterdruck anzeigen, weil kein Gas nachströmt.
  • Ein stabiles Vakuum bei sehr tiefen Außentemperaturen ist daher kein zwingender Beweis für ein trockenes System, sondern kann ein Indikator für vereistes Wasser im Rohr sein.

 

Fazit für die Praxis:

Bei kritischen Außentemperaturen darf man sich nicht allein auf die Vakuummessung verlassen. Bei längeren Außenabschnitten oder bekanntem Wassereintritt ist das beschriebene Verfahren des Vakuumbrechens mit trockenem Stickstoff zwingend durchzuführen.

Ronnie

schwäbischer tüftler und bastler, kraftsportler, neurodivers, 45 Jahre, 1 Frau, 5 Kinder und 1003 Ideen. 

1.2 ronnie berzins

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