Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) haben die Aufgabe, Gebäude kontrolliert mit Außenluft zu versorgen und gleichzeitig Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit und Luftqualität auf einem konstanten Niveau zu halten. Hierzu wird die aufbereitete Luft über ein weitverzweigtes Kanalsystem in die verschiedenen Räume und Stockwerke verteilt.
Das Herzstück jeder Brandschutzklappe, die Auslöseeinrichtung.
Diese Lüftungskanäle müssen jedoch zwangsläufig Decken und Wände durchdringen, die baurechtlich als Brandabschnitte definiert sind. Ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen würden diese Durchdringungen im Ernstfall wie ein Kamin wirken und die schnelle Ausbreitung von Flammen sowie hochgiftigen Brandgasen im gesamten Gebäude ermöglichen.
Klassische Verwendung einer Brandschutzklappe in einer RLT Anlage, zwei Brandabschnitte werden voneinander getrennt:
Grundriss eines Bürogebäudes mit vier (lila) Brandabschnitten, getrennt durch die Fluchtwege (Flure und Treppenhaus). Jeder Brandabschnitt benötigt eine BSK. Die Brandschutzklappe (BSK) dient hierbei als automatisches Absperrorgan. Sie wird direkt in der Durchführung des jeweiligen Brandabschnitts montiert und erfüllt folgende Kernaufgaben:
- Sicherung der Brandabschnitte: Im Normalbetrieb befindet sich das Klappenblatt in der offenen Stellung parallel zum Luftstrom, um den Widerstand im Kanalsystem minimal zu halten.
- Thermische Detektion: Sobald die Temperatur der vorbeiströmenden Luft einen kritischen Schwellenwert erreicht, in der Regel 72°C – reagiert das thermische Auslöseelement (Schmelzlot).
- Mechanischer Verschluss: Durch das Auslösen wird die Arretierung des Klappenblatts gelöst. Eine vorgespannte Feder schließt das Blatt schlagartig und unterbricht den Kanalquerschnitt vollständig.
- Rauch- und Feuerschutz: Der Verschluss verhindert die Übertragung von Feuer und Rauch in benachbarte Abschnitte oder Stockwerke, wodurch Fluchtwege rauchfrei bleiben und die Integrität des Gebäudes geschützt wird.
Runde Brandschutzklappe mit elektrischen Auslöseelement, in einem Hotel. Unten an der BSK der Prüfschalter.
Auslösemechanismen: Thermische Schmelzlote vs. elektrische Antriebe
In der Praxis kommen zwei primäre Systeme zum Einsatz, um das Schließen einer Brandschutzklappe im Ernstfall zu gewährleisten. Beide verfolgen das Ziel, den Kanalquerschnitt bei Gefahr sicher zu verriegeln.
Egal ob Thermisch oder elektrisch, beide verfügen über eine Klappenblatt das den Lüftungskanal sicher verschließt.
Manuelle Auslösung über Schmelzlot (thermisch)
Diese klassische, rein mechanische Methode basiert auf der direkten Hitzeeinwirkung der Raumluft auf ein mechanisches Bauteil im Inneren der Klappe.
- Funktionsweise: Ein thermisches Auslöseelement, das sogenannte Schmelzlot, dient als mechanische Sperre für das vorgespannte Klappenblatt.
- Auslösevorgang: Sobald die Temperatur im Kanal den definierten Schwellenwert von meist 72 °C erreicht, verliert das Lot seine Festigkeit und gibt den Arretierungsmechanismus frei.
- Vorteil: Dieses System benötigt keine externe Energiequelle (Hilfsenergie) und funktioniert auch bei einem kompletten Stromausfall im Gebäude zuverlässig.
Elektrische Auslösung über Federrücklaufmotoren
Bei dieser moderneren Variante wird die Brandschutzklappe durch einen elektrischen Stellmotor in der offenen Position gehalten.
- Funktionsweise: Der Motor arbeitet gegen eine interne Rückholfeder. Solange elektrische Spannung anliegt, bleibt die Klappe offen und lässt den Luftstrom passieren.
- Auslösevorgang: Wird die Stromzufuhr der Motor unterbrochen etwa das trennen des Auslöseelements, durch das Signal eines Rauchmelders oder eine gezielte Abschaltung durch die Brandmeldeanlage, schließt die Feder das Klappenblatt in die geschlossene Endlage.
- Vorteil: Diese Antriebe ermöglichen eine Fernüberwachung und Fernauslösung. Zudem kann der Status der Klappe jederzeit an die Gebäudeleittechnik (GLT) gemeldet werden, was die Betriebssicherheit deutlich erhöht.
Brandschutz vs. Rauchschutz: Die Zeitverzögerung als Risiko
Primär ist die Brandschutzklappe (BSK) dafür konstruiert, die Ausbreitung eines Feuers über die Lüftungsleitungen in andere Brandabschnitte zu verhindern. In der Standardausführung befindet sich das Klappenblatt im Normalbetrieb parallel zum Luftstrom, um den Volumenstrom nicht zu behindern.
Ein kritischer Aspekt bei herkömmlichen Klappen ist jedoch das Auslöseverhalten:
- Thermische Auslösung: Die Klappe schließt erst, wenn die Lufttemperatur am Einbauort ca. 72 °C erreicht und das Schmelzlot auslöst.
- Gefahr durch Kaltrauch: Bei vielen Bränden entsteht jedoch bereits lange vor Erreichen dieser Temperatur eine enorme Menge an giftigem Rauch. Dieser „kalte Rauch“ kann sich über die Lüftungskanäle im gesamten Gebäude verteilen, noch bevor die thermische Arretierung der Klappe nachgibt.
- Lebensgefahr: Da statistisch gesehen die Mehrheit der Brandopfer nicht durch Flammen, sondern durch eine Rauchgasvergiftung stirbt, stellt diese zeitliche Verzögerung ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Die Lösung: BSK mit Rauchdetektion
Um diese Sicherheitslücke zu schließen, werden heute vermehrt Brandschutzklappen eingesetzt, die nicht nur thermisch, sondern auch über Rauchmelder Rgeschlossen werden.
Diese Systeme bieten entscheidende Vorteile:
- Früherkennung: Die Rauchmelder detektieren Brandgase bereits in einem sehr frühen Stadium unabhängig von der Umgebungstemperatur.
- Motorische Auslösung: Anstelle eines Schmelzlots wird ein Federrücklaufmotor angesteuert, der die Klappe aktiv schließt.
- Sicherer Verschluss: Das Klappenblatt wird in die Endlage gefahren und unterbricht den Luftstrom sowie die Rauchausbreitung sofort.
Durch diese Kombination wird die BSK von einer reinen „Feuersperre“ zu einem effektiven Lebensretter, der auch die Verrauchung von Fluchtwegen unterbindet.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Haftung: Der Wandel in der Wahrnehmung
In der Vergangenheit wurde der Brandschutz in der Lüftungstechnik oft als notwendiges Übel betrachtet. Zwar existierten bereits Vorschriften, doch die Kontrolle und die lückenlose Dokumentation wurden in der Praxis häufig vernachlässigt. Heute hat sich die Situation grundlegend gewandelt.
So bitte nicht....
- Verschärfte Anforderungen: Die Landesbauordnungen (LBO) und die Lüftungsanlagen-Richtlinie (LüAR) stellen heute extrem hohe Anforderungen an die Errichtung, Wartung und den Betrieb von Brandschutzsystemen.
- Zulassungspflicht: Jede Brandschutzklappe muss über eine gültige allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine europäische Leistungserklärung verfügen.
- Haftungsrisiken: Für Planer, Errichter und insbesondere für den Betreiber besteht heute ein hohes Haftungsrisiko. Eine fehlerhafte Installation oder eine versäumte Wartung kann im Schadensfall strafrechtliche Konsequenzen haben und den Versicherungsschutz gefährden.
Wartung und Betrieb: Worauf in der Praxis zu achten ist
Eine Brandschutzklappe ist ein sicherheitstechnisches Bauteil, dessen Funktion nur durch regelmäßige Wartung garantiert werden kann.
- Hier findest du ein vollständiges Protokoll zur Wartung an BSK: https://www.kreativekiste.de/wartung-von-brandschutzklappen-in-rlt-anlagen-mit-wartungsprotokoll
- Zugänglichkeit: Jede BSK muss über eine Revisionsöffnung verfügen und zugänglich seij. Ein häufiger Planungsfehler ist das Verbauen dieser Öffnungen durch andere Gewerke, was eine fachgerechte Prüfung unmöglich macht.
- Sichtprüfung und Funktionscheck: Bei der Wartung wird die Klappe händisch oder motorisch ausgelöst, um sicherzustellen, dass das Blatt vollständig schließt und die Mechanik nicht durch Verschmutzungen blockiert ist.
- Instandsetzung: Beschädigte Dichtungen oder korrodierte Schmelzlote müssen umgehend ersetzt werden, um die Zulassung der Klappe nicht zu verlieren.
Wichtige Abgrenzung: BSK vs. Jalousieklappe
Es ist essenziell, eine Brandschutzklappe nicht mit einem herkömmlichen Klappenstellantrieb für Jalousieklappen zu verwechseln. Auch wenn die motorisierten Antriebe für Laien auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen können, ist der Funktionsunterschied gravierend: Während Standardantriebe lediglich der Volumenstromregelung dienen, ist ein BSK-Antrieb ein zertifiziertes Sicherheitsbauteil, dass die Klappe bei Branddetektion oder Energieausfall mechanisch schließt und den Kanalabschnitt hermetisch abriegelt. Im Gegensatz zu den mehrflügeligen Jalousieklappen erkennt man die BSK im Inneren des Kanals zudem deutlich an ihrem massiven, einzelnen Klappenblatt.











