Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung, Eigentum und Soziale Verantwortung
  2. Eigentum
  3. Eigentum in der Geschichte
    1.  Kirchengeschichte
    2. Chrysostomus (Priester und Prediger 354-407 n. Chr.
    3. Thomas von Aquin (Katholischer Kirchenlehrer 1225-1274 n. Chr.)
    4. 2.1.3 Eigentum bei Luther (1483-1546) und Calvin (1509-1564)
    5. 2.1.4 John Lock (1632- 1704)
    6. 2.2 Säkulare Geschichte (Europa)
    7. Demokratie
    8. Diktatur
    9. Kommunismus
  4. Eigentum in der Bibel
    1. Eigentum im Alten Testament
    2. Eigentum im Neuen Testament
    3. Fazit Eigentum in der Bibel
  5. Resümee
    1. Utilitaristischer Ansatz
    2. Situationsethischer Ansatz
    3. Individualethischer Ansatz
    4. Ordnungsethischer Ansatz
    5. Biblisch-ethischer Ansatz
    6. Eigenes Resümee
    7. Das Eigene Haus: Bedarfs- und Gebrauchseigentum
    8. Der Goldabbau
    9. Mein Resümee
  6. Literaturverzeichnis

Einleitung, Eigentum und Soziale Verantwortung


Die Herausforderung besteht darin, die Armut auf der Welt zu bekämpfen. Die goldene Milliarde der Glücklichen darf sich nicht länger teilnahmslos die Leiden der Hälfte der Weltbevölkerung ansehen, die von ein, zwei Dollar pro Tag lebt, hungert und häufig keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlangen hat. Sie darf nicht zulassen, dass Millionen Kinder sich im Zeitalter des Internets und der Globalisierung ihren Lebensunterhalt durch Schwerarbeit verdienen müssen statt in die Schule zu gehen.[1]

Michail Gorbatschow in „Mein Manifest für die Erde“

Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war.[2]

Die Bibel, Apostelgeschichte 2, 44-45

Der Eigentümer einer Sache kann, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Der Eigentümer eines Tieres hat bei der Ausübung seiner Befugnisse die besonderen Vorschriften zum Schutz der Tiere zu beachten.[3]

Deutsches Bürgerliches Gesetzbuch § 903

Da das Eigentum ein unverletzliches und geheiligtes Recht ist, kann es niemandem genommen werden, es sei denn, dass die gesetzlich festgestellte öffentliche Notwendigkeit dies eindeutig erfordert und vorher eine gerechte Entschädigung festgelegt wird.[4]

Artikel 17 der Französischen Menschenrechte nach der Französische Revolution

Unser Globus ist mit extremer Ungleichheit konfrontiert. 10% der Menschen hält 75% des Weltvermögens in seinen Händen.[5]

Diese vier Zitate machen deutlich, wie unterschiedlich man mit dieser Ungleichheit umgehen kann. Nach der Französischen Revolution (1789 bis 1799) wurde Eigentum als heilig und unverletzlich angesehen, Michail Gorbatschow als kommunistisch geprägter Mensch würde jedes Eigentum, das nicht der Allgemeinheit zu Gute kommt, als Diebstahl bezeichnen. Etwas sein Eigen zu nennen ist eine schöne Sache und damit machen zu können, was man will, andere sogar von jeder Einwirkung ausschließen zu können, wie es der § 903 des BGB nennt, gibt mir doch eine enorme Freiheit und Sicherheit. Doch muss sich ein reicher Mensch nicht ständig Sorgen um sein Eigentum machen, dass nicht so ein Robin Hood auf die Idee kommt, alles zu klauen und den Armen zu geben? Das Reichtum nicht glücklich macht ist wohl allen Menschen klar. Und was ist Reichtum, wenn nicht, viel sein Eigentum zu nennen?

Doch wie kann ich, können wir, verantwortlich mit Eigentum umgehen?

Diese Frage möchte ich exemplarisch anhand zweier Beispiele behandeln. Beim ersten Beispiel geht es um uns persönlich. Es ist die Frage, ob ein eigenes Haus mit Garten ein erstrebenswertes und sozial verantwortliches Ziel ist? Wenn ja, stellt sich die Frage, wie damit umgegangen werden soll oder muss ein Christ sein sprichwörtlich letztes Hemd hergeben? Das zweite Beispiel behandelt ein globaleres Thema. In der Spiegelausgabe vom 17. März 2008 „Schmutziges Gold“ geht es darum, dass Arme und Kinder ausgebeutet werden und für einen Hungerlohn Gold abbauen, während die Besitzer des Goldes in einem unvorstellbaren Reichtum leben. Die Frage wäre, wie man hier sozial verantwortlich handeln könnte?

Um einer Lösung dieser Fragen näher zu kommen, werde ich zuerst klären, was Eigentum ist. Danach werde ich die Fragen anhand einzelner Punkte vertiefen.

Eigentum und Soziale Verantwortung

1 Eigentum

Seit dem 19. Jahrhundert, so beschreibt Christian Walter in seinem Buch „Forschungen zur Geschichte und Lehre des Protestantismus“[6], könne man zwischen vier grundlegenden Eigentümern unterscheiden:

- Bedarfs- oder Gebrauchseigentum
- Eigentum an Produktionsmitteln
- Bodeneigentum
- Geistiges Eigentum

Bedarfs- oder Gebrauchseigentum ist alles, was der Mensch zum Leben und Überleben braucht. Hierzu zählen ganz existentielle Dinge wie Nahrung und Kleidung, aber auch Gebrauchsgegenstände wie ein Schrank, die Küche und das Auto. Außerdem gehören banale Dinge wie die Bücher, die in der Freizeit gelesen werden oder der PC dazu.

Eigentum an Produktionsmitteln sind alle Dinge, die über das Eigentum, das ein einzelner Mensch braucht, hinausgehen. Das sind eine Maschine in einer Fabrik oder ein Server in einem Unternehmen. Natürlich sind die Übergänge zwischen diesen beiden Eigentümern fließend, was ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte. Ein Selbstständiger, der zu Hause mit seinem Notebook arbeitet, würde dieses Notebook als Eigentum an Produktionsmitteln bezeichnen. Lässt dieser Mann aber nach der Arbeit sein Kind ein Computerspiel spielen, gehört das Notebook zum Bedarfs- und Gebrauchseigentum.

Bodeneigentum ist wie der Name schon sagt Grundstückseigentum. Also jedes Grundstück, das jemand besitzt, kann als Bodeneigentum angesehen werden.

Geistiges Eigentum ist Eigentum, das ein Mensch auf Grund seines Urheberrechts oder Patentrechts erwirbt. Da dieses Eigentum aber nur indirekt mit sozialer Verantwortung zu tun hat, werde ich darauf in der Ausarbeitung nicht eingehen. Es hat nur indirekt etwas damit zu tun, weil sich mit geistigem Eigentum sehr viel Geld verdienen lässt, zum Beispiel mit einem geschriebenen Bestseller.

Das eigene Haus würde also zum Bedarfs- oder Gebrauchseigentum zählen, wobei die Goldmine zum Bodeneigentum und die Förderanlagen und Werkzeuge zum Eigentum an Produktionsmitteln gehören.

Die Frage nach dem eigenen Haus steht also exemplarisch für die Frage nach dem sozialen Umgang mit Bedarfs- oder Gebrauchseigentum. Die Frage nach dem sozialen Umgang mit den Goldminen steht demnach exemplarisch für den sozialen Umgang mit Eigentum an Produktionsmitteln (Werkzeuge, Fördergeräte) und mit Bodeneigentum.

Die Frage nach dem sozialen Umgang mit dem Eigentum lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten und es gibt auch kein Patentrezept auf diese Frage. Um einer Lösung näher zu kommen, möchte ich zuerst einmal Personen unserer Geschichte darstellen und diese beiden Fragen anhand ihres Verständnisses klären. Kursiv geschrieben ist alles, wo ich mich direkt auf die beiden oben genannten Beispiele beziehe.

2. Eigentum in der Geschichte

2.1 Kirchengeschichte

Die Urgemeinde werde ich unter dem Aspekt der Kirchengeschichte nicht behandeln, da ich sie unter 3.2 behandeln werde.[7] Die Kirchengeschichte als solches ist zu vielschichtig als dass ich sie hier vollständig bearbeiten könnte. Daher werde ich einzelne Personen unterschiedlicher zeitlicher Epochen in ihrer Meinungsverschiedenheit herausgreifen, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken.

2.1.1 CHRYSOSTOMUS (PRIESTER UND PREDIGER 354-407 N. CHR.)

„Heißt es nicht etwas böses zu tun, wenn einer für sich alleine über alles Herr sein, wenn einer allein genießen will“?[8], so die Meinung von Chrysostomus. Es ist nicht gut, wenn einer etwas alleine hat. Chrysostomus stellt sich gegen das Eigentum des Einzelnen. Er tut es mit der Begründung, dass es ohne Eigentum auch kein Streit, Neid und kein Kampf unter den Christen gäbe. Zur Unterstützung dieses Arguments nennt er die Natur, die ja auch nichts für sich alleine hervorbringt, sondern für alle.[9]

Würde man Chrysostomus fragen, würde er mit Sicherheit sagen, das eigene Haus sei kein erstrebenswertes Ziel, vielmehr sollten alle etwas davon haben und wenn nur eine Familie in einem Haus wohnt, ist das der Gemeinschaft nicht sehr dienlich. Die Ausbeutung der Armen und Kinder dagegen würde Chrysostomus ebenfalls nicht gut heißen, denn das Gold, das die Natur hervorbringt, gehört allen und nicht einigen Wenigen, die durch Gewalt das Gold an sich reißen. Eine vernünftige Lösung hätte Chrysostomus aber nicht.

2.1.2 THOMAS VON AQUIN (KATHOLISCHER KIRCHENLEHRER 1225-1274 N. CHR.)

Thomas von Aquin ist der Meinung, dass die Güter der Erde der gesamten Menschheit gehören, aber nur die Güter (Erde, Bäume usw.). Was der einzelne Mensch daraus macht und wie der einzelne damit umgeht ist seine Sache. Thomas von Aquin schreibt, dass Privateigentum der beste Umgang mit den Gütern der Erde sei. Denn, wenn jeder sich um seine eigene Versorgung kümmere, so sei alles klar geregelt. Wenn jeder sich um alles kümmern müsste, wäre dies ein Durcheinander und niemandem wäre gedient.[10] Wenn jeder für sich selbst verantwortlich ist, was Nahrung, Kleidung usw. angeht, so gibt es weniger Streit und weniger Reibungsflächen untereinander und die Lasten sind gut verteilt.

Thomas von Aquin würde die eigene Wohnung sogar sehr gut heißen, denn mit der eigenen Wohnung muss jeder für sich selbst sorgen und die Gemeinschaft wird damit entlastet. Zudem könnte der einzelne anderen, die in Not sind helfen. Zum Goldabbau hat Thomas von Aquin nur eine nicht zufriedenstellende Lösung, denn jedem würde das gehören, was er abbaut. Das heißt, jeder könnte einfach Gold abbauen und das, was er abbaut behalten, aber das würde nie funktionieren, denn es würde immer Menschen geben, die zu Gewalt greifen würden, um mehr zu bekommen.

2.1.3 EIGENTUM BEI LUTHER (1483-1546) UND CALVIN (1509-1564)

Luther schreibt 1539: „Sol ein Christ geben so mus er züuoer [zuvor] haben. Was nichts hat, das gibt nichts“[11]. Doch war Luther ein Streben nach „überflüssigem“ Reichtum fremd. Vielmehr ging es Luther darum, dass der Mensch zu essen hat und niemand erfriert. Luther versuchte früh, einen Fond für die Armen einzurichten, um jedem zu essen zu geben und dass niemand erfrieren musste. Allerdings wollte Luther, dass es eben nur so viel ist, dass es zum Überleben reicht, aber damit niemand auf die Idee kommt, nicht zu arbeiten und von Spenden zu leben. Luther begründet das Eigentum des Einzelnen also mit dem Dienst am Nächsten. Das Anhäufen, und vor allem die innere Unfreiheit gegenüber dem Eigentum, verurteilt Luther dagegen.[12]

Luther und Calvin gehen immer von Christus und seiner Botschaft als dem Zentrum des Menschen aus. Luther nimmt Eigentum als Vorraussetzung zur Freiheit und zum Erhalt des Lebens für den Menschen an, aber der Mensch dürfe nie sein Herz an das Eigentum hängen. Zu genau dieser Meinung kommt auch Calvin und das ist nicht verwunderlich, denn Luther und Calvin haben einen gemeinsamen Ausgangpunkt: Die Erde als Leihgabe Gottes an den Menschen und Jesus als Zentrum des Menschen. Die Erde ist dem Menschen zum Segen geben, der Mensch darf sich an der Erde auch freuen und ihre Früchte genießen.[13]

Die eigene Wohnung und damit das Bedarfs- und Gebrauchseigentum, würden Luther und Calvin beide völlig befürworten, allerdings unter einer Voraussetzung: Das Herz des Menschen darf nicht am Eigentum hängen. Ich finde diese Ansicht sehr schlüssig und vernünftig, denn Eigentum ist die Grundlage des menschlichen Lebens. Ohne das Eigentum, das der Einzelne verwaltet und zum Erwirtschaften der Güter benutzt, gäbe es kein Leben. Noch mehr: Der Mensch darf sich an der Schöpfung freuen. Ohne Eigentum kann der Mensch auch keinem anderen helfen, wenn der in Not geraten ist. Aber und das ist das Problem, das sich bei dem Beispiel des Goldabbaues zeig. Der Mensch ist sehr oft gierig und versucht, immer mehr zu bekommen und das mit allen Mitteln. Deshalb bejahen Luther und Calvin das Eigentum, aber warnen gleichzeitig sehr davor, sein Herz daran zu hängen.

2.1.4 JOHN LOCK(1632- 1704)

Auch John Lock befürwortet das private Eigentum. Er begründet es mit dem Recht auf Eigentum, das durch die eigene „menschliche Arbeit“ entstanden ist.[14] Er schreibt, dass die Erde zwar allen Lebewesen gemeinsam gehöre, dass aber jeder Mensch ein Recht auf Eigentum habe, das er sich durch seiner Hände Werk erarbeitet habe. Alles was sich der Mensch durch seine Arbeit erwirtschaftet, das ist sein Eigentum.[15]

John Lock ist derselben Ansicht wie Luther und Calvin, nur dass Lock noch stärker die eigene Arbeit und Leistung betont. Bei John Lock würde die Größe des Hauses und des Eigentums also davon abhängen, wie viel ein Mensch arbeitet und leistet. Dies finde ich zu gewissen Teilen eine logische Schlussfolgerung, denn es ist klar, dass ein Firmenchef sich vielleicht eine Mercedes S-Klasse leisten kann ohne dabei seinen Nächsten in der Not zu vergessen. Wenn sich ein Handwerker eine S-Klasse kaufen würde, hätte er wahrscheinlich kein Geld mehr, um den Bedürftigen etwas zu geben. Aus zwei Gründen geht diese Rechnung aber nur bedingt auf. 1. Eine Ungleichheit in den Voraussetzungen: Ein Kind aus einer Akademiker-Familie hat andere Voraussetzungen als ein Kind aus einer Hartz 4- Empfänger-Familie. 2. Ein Handwerker arbeitet von der Zeit vielleicht mehr als ein Firmenchef und verdient weniger, deshalb kann man den Verdienst nicht unbedingt von der „Menge“ der Arbeit abhängig machen. Eine Lösung hat John Lock dafür nicht, aber es gilt festzuhalten, dass der, der mehr Eigentum hat, sich auch mehr leisten kann, dafür aber auch eine größere Verantwortung gegenüber anderen Menschen hat.

2.2 Säkulare Geschichte (Europa)

Natürlich kann ich hier nur einen ganz kurzen Überblick über die Geschichte geben, aber dennoch finde ich es interessant, nicht nur die Kirchengeschichte zu betrachten, sondern auch, wie sich der Umgang mit Eigentum in der säkularen Geschichte entwickelt hat. Natürlich sind die Übergänge zwischen den Jahresangaben fliesend. Sie sollen nur eine Tendenz anzeigen.

2.2.1 15 000 – 5 000 v. Chr. In dieser Zeit wurde fast ausschließlich zum Eigenbedarf produziert und das Produzierte meist sofort verwendet. Es gab fast ausschließlich Bedarfs- und Gebrauchseigentum. Natürlich gab es auch einen gewissen Handel unter reicheren Menschen, doch ist dies ein verschwindend geringer Teil. Die meisten Menschen lebten von dem, was sie in einem Jahr, oft in einem Monat, erwirtschafteten. Das gesamte Eigentum beschränkte sich auf den Boden, den sie bearbeiteten und meistens sogar auf die Werkzeuge und Haushaltsgeräte, die die Menschen benutzen. [16]

In dieser Zeit wäre es fast nicht denkbar gewesen, ein eigenes Haus zu besitzen, da sonst das Überleben des Einzelnen und der ganzen Gruppe gefährdet gewesen wäre. Als Eigentum wurden lediglich eine Frau oder die Waffen des Mannes angesehen.

2.2.2 4 000 v. Chr. - 500 n. Chr. Dies ist ein Zeitraum, in dem sich viel veränderte. Die Menschen verbesserten ihren Ackerbau sowie die Werkzeuge und die Haushaltsgeräte. Es kam zu Völkerwanderungen und zu Reisen. Weltmächte bildeten sich und die Menschen produzierten über das, was sie benötigten, hinaus – nicht nur Nahrungsmittel und Luxusgüter, sondern auch Güter zur Freizeitgestaltung. Eigentum ging über das, was man zum Leben braucht, weit hinaus. Senatoren, Könige und Kriegsherrscher hatten nicht nur genug an allem, sondern lebten in „Saus und Braus“, während andere Menschen verhungerten. Die Menschen lebten nicht mehr in gemeinsamen Gruppen, sondern die Großfamilie entstand. Der Besitz, der vor 4 000 v. Chr. einer gesamten Sippe gehörte und alle versorgte, verteilte sich nun auf mehrere Gesellschaftsschichten. Eigentum wurde erstmals zur Verbesserung des eigenen Lebensstandards verwendet, unabhängig von anderen. Zudem wurde Eigentum zu einem Instrument der Macht und des Vorteils Einzelner. [17]

In dieser Zeit war das eigene Haus ein sehr erstrebenswertes Ziel, zwar nicht für zwei Erwachsene und ein Kind wie in der Kleinfamilie heute, doch für eine Großfamilie galt es doch, seinen Besitzt zu sichern und weiter auszubauen. Denn wer viel Eigentum besaß, der hatte Macht und konnte sich verteidigen.

Durch die Sklavenarbeit, Kinder- und Zwangsarbeit von Verbrechern, die als völlig legitim und normal angesehen wurde, würde der Goldabbau nicht in Frage gestellt werden, sondern als von Gott gegeben hingenommen.

2.2.3 500 n. Chr. – 1600 n. Chr. Armut und Reichtum wurden noch deutlicher. Durch Könige und Adel wurden die meisten Bauern ausgebeutet, die Klassengesellschaft wurde immer deutlicher. Die Könige und der Adel lebten in einem unvorstellbaren Reichtum und Überfluss, wobei die Armen, Bauern, Tagelöhner und Bettler oft ums Überleben kämpften. Soziale Verantwortung war ein Begriff, der in Klöstern bekannt war und dort wurde auch den Armen geholfen, doch sonst war man der Auffassung, dass Gott den Menschen in einen Stand stellt. Man dachte, Gott setze den Menschen als König, Bauer oder als „Taugenichts“ ein. Demnach musste man auch nicht für seinen Nächsten sorgen.[18] Die Arbeitsmethoden, Arbeitsgeräte und die Infrastruktur wurde sehr stark verbessert und Waren konnten länger haltbar gemacht werden. Dies führte erstmals dazu, dass Waren in größeren Mengen angebaut wurden mit dem Zweck, sie zu speichern . [19]

Von der Einstellung der Menschen hat sich nicht sehr viel getan, natürlich wurde nach und nach die Sklavenarbeit abgeschafft und es wurde an einzelnen Stellen versucht, ein Sozialsystem aufzubauen, doch in den Köpfen der Menschen geschah nicht sehr viel. Das Eigentum wurde immer wichtiger und ein eigenes Haus wurde auch immer wichtiger. Ohne eigenes Haus war ein Mensch nicht viel wert. Die Frage nach dem Ausbeuten der Menschen veränderte sich nur sehr langsam.

Erstmals könnte man von Eigentum an Produktionsmitteln sprechen, da im großen Rahmen Menschen als Arbeiter angestellt wurden. Das Eigentum an Produktionsmitteln entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft.

2.2.4 1700 n. Chr. – heute. In dieser Zeit ist eine gewaltige Veränderung geschehen. Einzelne Staatsformen haben sich gebildet, verschiedene Revolutionen fanden statt und zwei Weltkriege haben die Menschen geprägt. Mit Eigentum wurde so unterschiedlich umgegangen, dass ich nur die drei größten Staatsformen kurz anschauen möchte.

DEMOKRATIE

Eine Demokratie ist dem Namen nach eine Volksherrschaft. Das Volk bestimmt durch Wahlen ihre Vertreter. Die Demokratie verhält sich neutral gegenüber dem Eigentum des Einzelnen. Das heißt, jeder darf mit seinem Eigentum machen, was er möchte, wobei Eigentum immer durch den Staat geschützt wird. Logischerweise fördert der Staat in der Demokratie das Eigentum des Einzelnen, denn wo viel Eigentum ist, da können die Menschen auch ihre Steuern bezahlen und es geht dem Staat gut. So geht der Staat mit den Menschen eine art Symbiose ein. Geht es dem Staat gut, geht es den Bürgern gut, geht es den Bürgern gut, so geht es dem Staat gut.

In einer Demokratie liegt es an jedem selbst, was er mit seinem Eigentum macht, solange er mit keinem Gesetz in Konflikt gerät. Zum eigenen Haus würde eine Demokratie also völlig neutral stehen. Die Ausbeutung von Menschen dagegen würde zumindest in unserer deutschen Demokratie verboten sein und strafrechtlich verfolgt werden. Es wäre aber immer die Frage nach einer Definition von Ausbeutung. Wenn man einen 1-Euro-Job als Ausbeutung sieht, dann schützt die Demokratie hier nicht, das oben genannte Beispiel vom Goldabbau würde aber gegen die deutsche Demokratie sprechen.

DIKTATUR

In einer Diktatur herrscht, wie der Name schon sagt, ein Diktator. Dieser muss nicht zwangsläufig eine Person sein, sondern kann auch eine Gruppe von Personen sein. In einer Diktatur gibt es zwar Eigentum, doch letztendlich kann der Diktator über das Eigentum des Einzelnen verfügen. Eigentum ist also nichts Gesichertes oder Beschütztes, es liegt in der Hand des Diktators, wie mit dem Eigentum des Einzelnen umgegangen wird. Natürlich wird dies in einer Diktatur nie vollständig so sein, doch zeigt diese Grundtendenz, dass es in einer Diktatur Eigentum nur theoretisch gibt.[20]

Es würde in einer Diktatur kein eigenes Haus geben, denn es wäre das Haus des Diktators, zumindest theoretisch. Auch die Diktatur stellt sich neutral zu einem eigenen Haus, aber nur so lange wie es ein Diktator nicht für seine Zwecke benötigt. Natürlich liegt es nicht im Interesse der Diktatur, den Menschen ihr Bedarfs- oder Gebrauchseigentum wegzunehmen. Sollte der Diktator das Eigentum jedoch benötigen, wird er es sich nehmen. [21]

Beim Bodeneigentum und Eigentum an Produktionsmitteln sieht es ähnlich aus. Dies alles gehört auch dem Diktator, doch wird es als Grundlage seiner Diktatur Menschen geben, die damit wirtschaften. Alles aber bleibt in der Hand des Diktators und damit der Diktatur. Natürlich wird es die nie in Reinform geben, denn auch eine Diktatur lebt von den Menschen, ich will damit nur den Ansatz der Diktatur vermitteln.

KOMMUNISMUS

Kommunismus stammt vom lateinischen communis, was man mit „gemeinsam“ übersetzen könnte.[22] Das erklärte Ziel des Kommunismus ist eine klassenlose Gesellschaft, in der Eigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist. Das Privateigentum ist zwar rechtlich geschützt, aber der Versuch einer klassenlosen Gesellschaft macht Privateigentum natürlich schwierig. Natürlich kam der Kommunismus in der Realität oft sehr weit weg von diesem Ziel, doch das erklärte Ziel des Kommunismus ist es, jedem Bürger in gleicher Weise das vom Staat erwirtschaftete Sozialprodukt zugänglich zu machen und soziale Gerechtigkeit zu schaffen.[23]

Im Kommunismus gibt es kein Bodeneigentum und kein Eigentum an Produktionsmitteln, alles gehört allen. Das hört sich zwar toll an, ist aber völlig unrealistisch wie uns die Geschichte der kommunistischen Staaten beweist.

Es wird immer Menschen geben, die an der Macht sind und die über andere herrschen. So wird es im Kommunismus immer Reiche und Arme geben, auch wenn die Differenz zwischen Arm und Reich nicht so groß scheint.

Das eigene Haus ist paradoxer Weise im Kommunismus ein erstrebenswertes Ziel, aber nur wenn es im gleichen Rahmen wie alle anderen Häuser ist. Es soll ja theoretisch keiner mehr haben als ein anderer. Die Zwangsarbeit wäre dagegen im Kommunismus unter den oben genannten Umständen, zumindest theoretisch nicht umsetzbar.

3 Eigentum in der Bibel

3.1 Eigentum im Alten Testament

Als aller erstes muss im Alten Testament davon ausgegangen werden, dass alles und wirklich alles Gottes Eigentum ist, denn nach Genesis ist Gott der Schöpfer und in Exodus 19,5b bestätigt Gott selbst diesen Anspruch indem der sagt: „denn mir gehört die ganze Erde“.

Das Alte Testament befürwortet grundsätzlich das Eigentum, denn es wird durch verschiedene Gesetze geschützt. So zum Beispiel in Deuteronomium 5,19 und 21: Du sollst nicht stehlen und du sollst nicht begehren. In Exodus 21,37 bis 22-3: Bei Diebstahl von fremdem Eigentum ist Ersatz zu leisten. Außerdem wird Reichtum und damit Eigentum sogar als Segen Gottes verstanden, wie wir bei Abraham und Josef sehen können, die als Gesegnete am Ende ihres Lebens sehr reich waren und diesen Reichtum als Segen Gottes verstanden haben. Gott selbst verteilt Bodeneigentum nach der Landnahme durch Josua und legt fest, wer wie viel Land (Bodeneigentum) bekommen soll.[24] Fazit: das Alte Testament befürwort das Eigentum. Gott schützt das Eigentum der Menschen. Aber genauso wird vor der Anhäufung von Eigentum gewarnt, besonders wenn dadurch andere Menschen ausgenutzt oder in ihrer Existenz bedroht werden. Deutlich wird dies in Deuteronomium 15,1-15, dem Erlassjahr und in Exodus 23,10, wo gesagt wird, das Feld soll nur sechs Jahre bebaut werden und im siebten Jahr dürfen die armen Menschen das Wildwachsende essen. Oder das Verbot, Zinsen von einem Bruder zu nehmen, der gerade kein Geld hat und sonst verarmen würde in Levitikus 25,35.[25] Fazit: Es ist nichts Falsches daran, reich zu sein. Es ist sogar gut, aber es darf niemandem seine Lebensgrundlage entzogen werden und keiner darf ausgenutzt werden. Im Alten Testament wird deutlich, dass der Idealzustand nicht der ist, dass alle gleich viel haben, sondern dass jeder seinen Lebensunterhalt selber verdienen kann wie es in 1 Könige 5,5 beschrieben wird: „ sodass Juda und Israel sicher wohnten, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, von Dan bis Beerscheba, solange Salomo lebte. “ Gott gibt seinem Volk Eigentum, das sie genießen und sich daran freuen dürfen.

Nach dem Alten Testament sollte jeder oder jede Familie sogar ihr eigenes Haus haben und zwar als Existenzgrundlage. Und der Mensch soll sich daran freuen. Das Eigentum wird bejaht und durch Gott geschützt. Es wird aber deutlich davor gewarnt, andere Menschen auszunutzen oder Menschen in Not nicht zu helfen. Die Aussage Luthers, dass Bedarfs- und Gebrauseigentum zu haben gut ist, finden wir durch das Alte Testament durchaus bestätigt. Das Bodeneigentum allerdings wird im Alten Testament als Leihgabe Gottes angesehen, weshalb es auch nicht verkauft werden kann, was deutlich macht, dass es Bodeneigentum nicht gibt, denn Gott ist der Eigentümer und Gott teilt zu, wem was gehören soll. Eigentum an Produktionsmitteln müssen in bestimmten Jahren zurückgegeben werden, um dem Menschen seine Existenzgrundlage nicht zu entziehen. Ich denke, diese Regelung findet sich auch heute noch in der Demokratie, wenn der Staat Eigentum an Produktionsmitteln besonders schützt oder Investitionen in diese Richtung fördert. Eigentum an Bedarfs- und Gebrauchseigentum sind vom Alten Testament her durchaus erstrebenswerte Ziele. Einem anderen nicht zu helfen oder ihn gar auszubeuten, wird durch Gottes Gesetz verboten.

3.2 Eigentum im Neuen Testament

Besteht im Alten Testament lediglich die Warnung vor dem Ausnutzen der anderen, so gibt es im Neuen Testament eine Reihe spezifischer Warnungen vor dem Reichtum, wobei reich sein nie generell als Sünde oder als falsch angesehen wird. Die Warnung bezieht sich viel mehr auf die größere Anfechtung, Versuchung oder das Verhärten des Herzens wie im Gleichnis vom Sämann aus Matthäus 13, dem reichen Kornbauern aus Lukas 16 oder der Warnung vor dem Mammon aus Matthäus 6. Fazit: Reich sein ist keine Sünde, doch kann reich sein schnell zu einer Abwendung von Gott und zur Sünde führen.

Neben der Warnung vor dem Reichtum geht es im Neuen Testament vor allem um die persönliche Einstellung des einzelnen Christen zum Eigentum. Eine Grundaussage des Neuen Testaments besteht darin, eine innere Freiheit vom Eigentum zu haben, sich nicht gefangen nehmen zu lassen von den Gütern dieser Welt.[26] Die zweite Grundaussage baut auf der ersten auf. Wenn ich eine innere Freiheit zu den Gütern dieser Welt (Eigentum) habe, dann bin ich bereit zu teilen. Das Prinzip aus Johannes 3,17 ist einfach „Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?“ Wer etwas hat, das sein Bruder braucht, der soll ihm helfen. Dieses Prinzip findet sich durchweg im Neuen Testament. So auch bei Paulus in der Frage nach dem Versorgen der Witwen. Sowohl in den Evangelien als auch in den Briefen wird diese Meinung vertreten.[27] Die Urgemeinde aus Apostelgeschichte 2 kannte gar kein Eigentum. Alles wurde den Aposteln gebracht und diese teilten es unter denen auf, die nichts hatten. Doch hier muss etwas differenziert werden, wenn es heißt „sie verkauften alles“. Wenn diese ersten Christen alles verkauft hätten, dann hätten sie bald nichts mehr zu essen und zu leben. Vielmehr hatten sie alles gemeinsam. Es kann also davon ausgegangen werden, dass sie das Eigentum an Produktionsmitteln und einen Grundbestand an Bedarfsmitteln nicht verkauft haben. Die Frage, ob Christen noch immer so leben sollen wie diese ersten Christen erübrigt sich, denn es wird in der Apostelgeschichte und in den folgenden Briefen nie als Gebot gesehen, alles zu verkaufen. Doch setzt sich in der Apostelgeschichte das Prinzip des Alten Testaments fort: Gehe mit deinen Gütern verantwortlich um und hilf denen, die etwas brauchen. Fazit: Das neue Testament lehrt uns, eine innere Freiheit im Umgang mit Eigentum zu haben und zu helfen, wo es nötig ist. Es gibt im Neuen Testament keine Vorschrift darüber, alles zu verkaufen, um jemandem zu helfen und dabei selbst so arm zu werden, dass man Hilfe braucht. Im Gegenteil, in 1 Timotheus 5,8 schreibt Paulus: „ Wenn aber jemand die Seinen, besonders seine Hausgenossen, nicht versorgt, hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Heide“. Christen, die Eigentum haben, sollen nicht einfach alles verkaufen, sondern damit wirtschaften, so dass sie andere versorgen können. Natürlich kann es sein, dass Christen um Christi willen in einer Verfolgung alles aufgeben müssen, um Gott zu dienen, aber es geht in dieser Ausarbeitung viel mehr um die soziale Verantwortung und nicht um spezielle Situationen.

Das Neue Testament setzt die gedankliche Linie des Alten Testaments fort. Allerdings wird vor Reichtum gewarnt. Das neue Testament betont immer wieder eine innere Freiheit gegenüber dem Reichtum zu haben, den eigentlichen Reichtum in Gottes Güte zu sehen.

Als Begründung wird immer wieder die Vergänglichkeit von allem Irdischen genannt. Neu ist der Gedanke der Urgemeinde, die eine Güterteilung hatten, die hauptsächlich aus Bodeneigentum und Eigentum an Produktionsmitteln bestand.

Die Aussagen Luthers, Calvins und Thomas’ von Aquin finden sich hier voll bestätigt. Das neue Testament bietet uns eine Lösung für das eigene Haus an, die so aussehen könnte: Natürlich darfst du ein eigenes Haus haben, aber prüfe deine Motivation vor allem in der Größe des Hauses und vor allem hänge dein Herz nicht daran. Diese Aussage lässt sich natürlich nicht mit einer Bibelstelle belegen, doch finde ich diesen Grundtenor im Neuen Testament.

Das Neue Testament verurteilt klar und deutlich die Ausbeutung, kann aber die Menschen in verantwortlichen Positionen nur zu einem verantwortlichen Umgang mit ihrem Eigentum aufrufen. Dies finde ich auch ein Lösungsansatz: Wer viel hat und wer viele Menschen beschäftigt, der steht leicht in der Versuchung, die Menschen auszunutzen, um immer mehr zu bekommen. Aber genau das sollen diese Menschen nicht tun. Sie sollen ihrer Verantwortung nachkommen und diese Menschen gerecht und fair behandeln. Wie dieses fair und gerecht aussehen kann, das muss der Einzelne mit seinem Gewissen ausmachen und sich durch den Hl. Geist führen lassen.

3.3 Fazit Eigentum in der Bibel

Die Bibel gibt uns eine grundlegende Richtung im Umgang mit Eigentum vor, macht uns aber keine expliziten Vorschriften[28]. Zusammenfassend könnte man sagen: Eigentum wird von Gott beschützt und befürwortet, es ist keine Sünde oder ein Vergehen, etwas sein Eigen zu nennen. Vielmehr soll der Mensch mit dem, was ihm anvertraut ist arbeiten, davon leben und denen geben und helfen, die nichts oder wenig haben. Diese Aussage möchte ich so allgemein halten, da die Bibel hier einen Interpretationsspielraum für den Einzelnen lässt.

4 Resümee

Im Resümee möchte ich die möglichen ethischen Ansätze betrachten und die Beispiele vom eigenen Haus und der Zwangsarbeit im Goldabbau darin einordnen. Abschließend werde ich noch mein eigenes Resümee schreiben.

4.1 Utilitaristischer Ansatz

Hier würden der kommunistische und der Ansatz der ersten Christen gelten. Denn wenn ich das Beste für alle Menschen haben möchte, dann müsste alles Eigentum an Boden und Produktionsmitteln allen gehören. Dann würden auch alle gleich viel verdienen und gleich viel an Bedarfs- und Gebrauchseigentum haben. Dies anzunehmen ist natürlich utopisch, dennoch wäre für dieses Beispiel der utilitaristische Ansatz der richtige, denn nur wenn der Boden und die Produktionsmittel für alle in gleichem Maße zugänglich wären, können möglichst viele gleich viel haben.

4.2 Situationsethischer Ansatz

Diesen Ansatz kann ich hier nicht behandeln, da dieser Ansatz immer mit Spontaneität zu tun hat. Meine beiden Beispiele allerdings haben eine längere Vor- und Planungsgeschichte. Allerdings sollte versucht werden zu helfen, wenn sich eine spontane Möglichkeit zum Helfen oder Eingreifen mit seinem Eigentum ergibt, allerdings unter der Voraussetzung, dass die eigene Existenz nicht bedroht wird.

4.3 Individualethischer Ansatz

Hier würde sich das Bedarfs- und Gebrauchseigentum nach den Regeln, die in einer Gruppe herrschen, richten. Würde jemand in reichen Kreisen verkehren und in einem „noblen“ Stadtteil wohnen, dann wäre es undenkbar, in einer „Bruchbude“ zu leben. Es wäre aber auch nur schwer vorstellbar, seinen Reichtum dadurch zu verkleinern, indem man den Arbeitern oder armen Menschen in sozialer Verantwortung entgegenkommt. Dagegen würde ein Mensch, der in einem „Slum“ wohnt mit diesem Verhalten nicht lange überleben. Dieser ethische Ansatz ist meines Erachtens also nur für kleine Gruppen und Kreise zu sehen und wie ich dargestellt habe, dort von den geltenden „Regeln“ abhängig.

4.4 Ordnungsethischer Ansatz

Die Rahmenbedingungen, also das Vorhandensein von Bodenschätzen und natürlichen Gütern, kann man nicht verändern. Doch der Umgang mit dem Vorhandenen lässt sich beeinflussen. Es ist zwar immer ein Unterschied zwischen den Regeln und dem Handeln der Menschen, doch kann man sagen, wenn es einige Personen in verwaltenden Positionen gäbe, die mit dem Bodeneigentum und dem Eigentum an Produktionsmitteln verantwortlich umgehen würden, wäre dies eine gute Lösung. So könnte jeder als Individuum entscheiden, wie er mit seinem Eigentum umgeht und was er damit macht. Es würde auch nicht die Frage gestellt, ob man anderen helfen muss, denn jeder hätte genug zum Leben.

4.5 Biblisch-ethischer Ansatz

Habe ich unter 3.3 Eigentum in der Bibel bereits ausführlich behandelt.

4.6 Eigenes Resümee

4.6.1 Das eigene Haus: Bedarfs- und Gebrauchseigentum

Wenn man alle Aussagen über das Bedarfs- und Gebrauchseigentum zusammen nimmt, dann ist dem eigenen Haus weder von der Bibel als unserer höchsten Autorität, noch von den Menschen der Kirchengeschichte, noch von unserer säkularen Geschichte her etwas entgegen zu setzen. Das gleiche gilt für den Besitz von Bedarfs- und Gebrauchseigentum. Es wird sogar von Gott und dem Staat geschützt und gefördert. Ich muss „mein letztes Hemd“ nicht geben, um dann selbst arm und mittellos zu sein. Vielmehr sollte ich mit den mir von Gott anvertrauten Gaben und Gütern verantwortlich umgehen. Um das im Falle des Hauses konkret zu machen würde das heißen: Wenn ich es mir leisten kann, kann ich mir ein Haus bauen, das meinem Einkommen entspricht, aber ich sollte innerlich frei zu meinem Eigentum sein. Eine klare Warnung geht an die Menschen, sowohl aus Sicht der Bibel als auch aus Sicht der Geschichte, die vorsätzlich nicht arbeiten oder an die Menschen, die andere ausnutzen oder andere Existenzen bedrohen.

Ich persönlich würde ein klares Ja zum eigenen Haus geben, wenn dies finanziell möglich ist.[29] Genauso würde ich zum Bedarfs- oder Gebrauchseigentum ja sagen, denn das ist die Grundlage unseres Lebens und die Grundlage, dass wir anderen Menschen helfen können. Klar ist aber, dass ein vernünftiger Umgang damit gefunden werden muss. Hierzu kann der zehnte Teil des Einkommens aus dem Alten Testament eine Richtung geben. Grundsätzlich gilt aber, da zu helfen, wo es mir finanziell und zeitlich möglich ist. Da ist es meine Verantwortung zu helfen und wer mehr hat, der hat natürlich eine größere Verantwortung.

4.6.2 Der Goldabbau

Vor allem die Bibel macht klare Aussagen über das „zu viel haben wollen“. Wenn ein Mensch immer mehr Eigentum möchte, dann kann es nicht ausbleiben, dass andere Menschen ausgebeutet werden und auf der Strecke bleiben. Wer mit seinem Bodeneigentum und seinem Eigentum an Produktionsmitteln nicht sozial umgeht, der wird schnell ungerecht und genau davor warnt die Bibel. Es liegt in der Sache der Natur, dass der, der über Bodeneigentum oder Eigentum an Produktionsmitteln verfügt, mehr Eigentum besitzt. Ich bin der Meinung, ein solcher Mensch darf sich auch ein größeres Haus bauen oder eine S-Klasse fahren, hat aber auch immer eine größere Verantwortung. Gerade christliche Unternehmer wie Herr Deichmann, aber auch Unternehmer aus dem säkularen Bereich wie Herr Wiedeking, machen es deutlich. Sie verteilen ihren Gewinn auch auf die Mitarbeiter und beteiligen sich an sozialen Projekten. Ich denke, es ist nicht schlecht viel zu besitzen, doch wer andere Menschen ausnutzt oder benachteiligt, der handelt ungerecht und wer mit seinem Überschuss an Eigentum nicht sozial handelt, der handelt genauso ungerecht.

4.6.3 MEIN RESÜMEE

Die Erde ist Leihgabe Gottes an den Menschen und Jesus ist Zentrum des Menschen. Dies ist der Grundgedanke, wenn es um das Thema Eigentum und soziale Verantwortung geht. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot und doch muss der Mensch auch essen und wohnen. Deshalb ist nichts Falsches daran, Eigentum zu besitzen. Im Gegenteil, dies ist im Normalfall sogar unsere Lebensgrundlage und der Grund warum wir anderen helfen können. Die so oft betonte innere Freiheit lässt sich nur auf unseren Glauben zurückführen, da Jesus der ist, der unser Verlangen stillen und uns über die Maßen alles geben kann. Wenn uns das Eigentum wichtiger wird als andere Menschen oder gar wichtiger wird als Gott, dann hat der Besitzt von Eigentum sein Ziel verfehlt.

Deshalb warnt die Bibel auch so deutlich vor dem Mammon und dem falschen Umgang damit. Ziel sollte es immer sein, dass jeder seinen Lebensunterhalt selbst verdienen kann[30] und anderen helfen kann.

Der Mensch darf Eigentum besitzen, dies ist sogar die Grundlage seines Lebens. Eigentum ist zum Segen des Menschen gedacht. Dieser Segen kann aber nur dort sein, wo der Mensch die innere Freiheit zum Eigentum hat.

5. Literaturverzeichnis

[1] M. Gorbatschow, Mein Manifest für die Erde, Jetzt handeln für Frieden und globale Gerechtigkeit und eine ökologische Zukunft, Frankfurt/ New Yourk2003, 8.

[2] M. Frey. Elbiwin, CD Version 90.00.16.07 Elberfelder Bibel 2001.

[3] Bundesministerium der Justiz. Bürgerliches Gesetzbuch, verfügbar unter www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bgb/gesamt.pdf Seite 277. Datum des Zugriffs: Samstag, 8. März 2008.

[4] G. Birk/ T. Gollhardt, Geschichte und Geschehen 8, Schulbuch Baden-Württemberg Gymnasium Klasse 8, Stuttgart 1988, 47.

[5] Vgl. Z. Bauman, Postmoderne Ethik, Hamburg 1995; 38.

[6] Vgl. C. Walter, Typen Des Reich-Gottes Verständnisses, Studien zur Eschatologie und Ethik im 19. Jahrhundert (Forschungen Zur Geschichte Und Lehre Des Protestantismus), München 1961, 49.

[7] Hananias und Saphira aus Apostelgeschichte 5 werde ich nicht behandeln, da es hier eindeutig um Betrug und Fehlverhalten geht und nicht um das Eigentum der Urgemeinde.

[8] W. Arend, Geschichte in Quellen, München 1975, 770.

[9] Vgl. A. F. Utz/ H. B. Streitofen, Ethik und Politik: aktuelle Grundfragen der Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtsphilosophie, Stuttgart/ Degerloch 1970, 376- 378.

[10] Dies ist nicht meine Meinung, ich bin der Meinung auch eine Güterteilung kann sehr gut funktionieren, wie eine Kommunität ja beweist.

[11] H.J. Prien, Luthers Wirtschaftsethik, Göttingen 1992, 189. (Original Rechtschreibung von Luther)

[12] Ebd. 188-190.

[13] G. Kruhöfer, Der Mensch- das Bild Gottes, Göttingen 1999, 138.

[14] John Lock ist zwar kein Kirchenvater oder Geistlicher, doch hat er mit seinen Aussagen und Schriften die Kirchengeschichte stark geprägt, weshalb ich ihn zur Kirchengeschichte mit dazu genommen habe.

[15] Vgl. H.C. Siller, Überfluss und Eigentum bei John Locke, München 2007, 7-14 und 271- 276.

[16] Vgl. F.R. Paturi, Die Chronik der Erde, Augsburg 1996, 473-593.

[17] Vgl. J. Kulischer, Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Oldenburg 1988, 7-10 und

[18] Ebd.

[19] G. Schulz/ C. Buchheim, Sozial und Wirtschaftsgeschichte Frankfurt 2005, 55-57 und 287-289.

[20] G. Birk/ T. Gollhardt, Geschichte und Geschehen 10, Schulbuch Baden-Württemberg Gymnasium Klasse 8, Stuttgart 1988, 142-147.

[21] Siehe: Die großen Kriege unsere Zeit oder die Herrschaften der Sonnenkönige.

[22] Vgl. W. E, Gudemann, Kommunismus in: Bertelsmann Universal Lexikon, Gütersloh 1991, 465.

[23] Vgl. Ebd. 465-467.

[24] Vgl. M. Schäfers, Prophetische Kraft der kirchlichen Soziallehre? Berlin/Hamburg 1989, 71-73

[25] A. Schenker, Text und Sinn im Alten Testament: Textgeschichte und bibeltheologische Studien, Göttingen 1991, 24.

[26] Siehe dazu Lukas 12,13; 1 Timotheus 1,9-10; Matthäus 13,22; Matthäus 6,19

[27] M. Honecker, Grundriss der Sozialethik, 1995, 478.

[28] Hier muss auf weiterführende Bibelstellen wie die Geldsammlung in der Gemeinde (2 Kor. 8) verwiesen werden, wo Paulus das Geben von Geld als Liebesgabe und als Prüfstein des Glaubens ansieht.

[29] Faktoren wie Gottes Ruf in die Mission oder auf ein Theologisches Seminar, eine Christenverfolgung usw, kann ich hier natürlich nicht berücksichtigen.

[30] Das Kindes- und Seniorenalter ausgenommen

 


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